Narya (Juni 2010)

 

Es wurde Zeit. Da mein PC langsam etwas in die Jahre kam, ich auf RAW-Fotografie umgestiegen bin, demnaechst StarCraft II rauskommt und ich nach laengerer Bastel-Abstinenz mal wieder Lust auf ein schoenes kleines Projekt hatte, habe ich mir einen neuen PC gebaut.

Die Komponentenauswahl ging verworrende Wege, mal war ich auf dem Weg zu einem Intel Core i5, dann i7, und am Ende siegte dann doch AMD – primaer wegen der moderneren Chipsaetze in der 8er Serie. Die CPU-Leistung war eher nebensaechlich, da haetten alle Kandidaten mehr als genug Wumms gehabt. Mit den Anforderungen “vernuenftig angebundenes USB3 und SATA 6G” waere ich bei Intel aber direkt bei der teuren, stromhungrigen und auch irgendwie schon etwas betagten (aus Chipsatz-Sicht) Sockel 1366 Plattform gelandet. Von daher: lieber Richtung AMD geschaut, und den 890FX Chipsatz gefunden. Mehr PCIe 2.0 Lanes als ein normaler Mensch braucht, vernuenftig angebundenes USB3, und ganze 6 SATA 6G Anschluesse. Was will man mehr?

Bei der Suche nach einem konkreten Mainboard kam mir das Asus Crosshair Formula IV in den Warenkorb. Das Board ist zwar ein im Grunde voellig ueberzogenes Overclocker-Board, aber es hatte viele kleine Details die mich als Bastler ansprachen, zum Beispiel:

– Anschluesse fuer 3 Temperatursensoren, die von der Lueftersteuerung genutzt werden
– Buttons fuer Power on, Reset und auch Overclocking direkt auf dem Mainboard
– Messpunkte fuer diverse Betriebsspannungen
– Ueberwachung/Einstellung von Temperaturen, Drehzahlen, Spannungen, Taktraten per USB
– Diagnose LEDs fuer Spannungen, Speicher usw
– vertrauenerweckendes Kuehlsystem fuer North-, Southbridge und die Spannungsversorgung
– hochwertige Komponenten wohin man schaut

Das ganze sieht dann so aus:

Mit der Wahl des Mainboards war dann direkt der CPU-Typ festgelegt, und als AMD mit den Phenom X6 1090T Black Edition rauskam, und genau dieses Topmodell kurz unter 250 EUR sank, setzt das Hirn kurz aus und die Frage nach der CPU war direkt erledigt:

Der naechste Punkt: Hauptspeicher. Hier sollte es DDR3-Ram sein, 1333er Takt, und moeglichst geringe Zugriffs-Latenzen. Die Wahl fiel dann auf G.Skill RipJaws, die waren preislich im Rahmen, mit CL7-7-7-21 recht fix, und noch dazu machten sie optisch – zusammen mit dem Mainboard – eine gute Figur. Um hier genug Reserven zu haben, und nicht in ein oder zwei Jahren schauen zu muessen wo man noch passenden Speicher zum erweitern bekommt, wurden es direkt 4 Module zu je 2 Gigabyte.

Zwischendurch noch ein Blick auf die oben erwaehnten Buttons:

Nachdem das auch geklaert war stellte sich die Frage nach einer Grafikkarte. Von NVidia musste ich mich leider direkt verabschieden, aus der Ecke gibt es derzeit einfach nichts was den Vergleich mit ATI gewinnen koennte. Gegen ATI sprach natuerlich der Linux-Support. Der NVidia Binary Treiber ist zwar doof, aber funktioniert. Der fglrx-Treiber von ATI haengt ja durchaus mal einige Monate hinterher ewas den unterstuetzten Xorg-Server angeht. Aber gut, auf dem Rechner laeuft primaer ja Windows 7, Linux war (und ist) nur fuer zwei Dinge geplant: Als Buildhost fuer das Boot-Image meiner HTPCs (da kommen dann auch die 6 CPU-Kerne richtig zum tragen), und fuer das automatisierte Backup meines Fileservers. Beides geht auch wunderbar ohne GUI, und somit stand ATI nichts mehr im Wege. Leider gab es in der gewuenschten Leistungsklasse nichts passiv gekuehltes, also habe ich weitere Vorurteile ueber Bord geworfen und mich fuer eine MSI Radeon HD 5770 Hawk entschieden. In allen Reviews die ich gefunden habe wurde sie als leiseste 5770 ueberhaupt beschrieben, und somit sollte sie ja fuer meinen, auch auf leise getrimmten, PC ideal sein. Und – Bingo, sie ist im normalen Desktop-Betrieb gar nicht, und erst unter hoher und andauernder GPU-Last ein wenig zu hoeren.

Naechster Punkt – Festplatte. Da der PC ja schnell und leise sein soll, lag es natuerlich nahe sich mal mit dem Thema SSDs zu beschaeftigen. In der c’t stand ein lobender Artikel ueber die realSSD von Crucial, die sehr fix sein sollte, und als eine der ersten SSDs wirklich von SATA 6G profitiert. Leider konnte die SSD bei mir nicht ueberzeugen. Wenn sie lief war alles super, und deutlich schneller als von Festplatte. Dummerweise blieb sie, eigentlich fast immer beim booten, aber auch gern mal im Betrieb, fuer 30 Sekunden haengen. Da ich keine Lust hatte zu warten bis irgendwann mal ein Firmware-Update fuer die SSD kommt habe ich mich fuer eine 120 GB grosse OCZ Vertex 2 entschieden, die jetzt das Windows 7 beherbergt. In Benchmarks mag die realSSD schneller und besser sein, im Alltag merkt man davon aber nichts. Dazu ist noch eine 1 Terrabyte grosse Westerm Digital WD1002FAEX als lokales Datengrab verbaut. 7200rpm, SATA6G, 64 MB Cache – sehr fix und trotzdem in dem Anti-Vibrationsrahmen sehr leise.

Das optische Laufwerk war schnell gefunden, die c’t hatte passend einen Test von DVD-Brennern, und da wurde einfach der Testsieger gekauft: der Plextor PX-880SA. Ist recht leise, verrichtet brav seinen Dienst, faellt nicht weiter auf. Um auch für die Zukunft gerüstet zu sein habe ich noch ein Blu-Ray Laufwerk gekauft, genauer gesagt das Lite-On IHOS 104. Leise, fix, und es gab noch unerwartet Avatar dazu.

Ein passendes Netzteil fehlte noch, aber der Power Supply Konfigurator von BeQuiet half weiter. Da ich mit dem Hersteller, und insbesondere mit den StraightPower Modellen, bisher nur gute Erfahrungen gemacht habe sollte es auch wieder was in der Richtung werden. Ich habe mich dann fuer das BeQuiet StraightPower 450W entschieden. Kabelmanagement brauche ich nicht, die Leistung reicht, es ist auch unter Last nicht hoerbar.

Komplettiert wird der PC dann noch von einem Chieftec Smart SH-01 Gehaeuse, welches mit BeQuiet Daemmmatten ausgekleidet wurde. Fuer die Kuehlung vertraue ich, wie schon seit Jahren, auf Scythe. Konkret verbaut habe ich: einen Scythe Grand Kama Cross CPU Kuehler, einen Scythe Slip Stream 120 PWM als Haupt-Gehaeuseluefter sowie einen Scythe Kama 92 PWM im Bereich der Grafikkarte. Zwischen Netzteil bzw. den Lueftern und Gehaeuse sind noch jeweils passende Vibrationsdaempfer verbaut, die aber keinen hoerbaren Einfluss mehr haben, das ganze ist schon so extrem leise.

Die Wahl des CPU Kuehlers erwies sich als etwas schwierig. Zunaechst habe ich es mit einem Scythe Mugen 2 versucht, der aber in Kombination mit dem Mainboard keine gute Loesung war. Die Northbridge war komplett vom Luftzug im Gehaeuse abgetrennt und wurde etwas warm. Der jetzt verwendete Luefter zieht die Luft von “oben” an (also effektiv seitlich), und blaest sie ueber die Spannungsregler, die Northbridge und den Arbeitsspeicher weg. Durch die Anordnung der Kuehlrippen kann der Gehaeuseluefter die Abluft gut nach draussen transportieren. Der Kuehler ist allerdings extrem gross, das ist in jede Richtung Millimeterarbeit.

Hier ein Blick auf das fertige Produkt:

Das ganze ergibt einen, sicherlich nicht in jeder Entscheidung sinnvollen, aber im Endeffekt halt extrem leistungsstarken und dennoch im Normalbetrieb unhoerbaren PC. Benchmark- und Stromverbrauchswerte schreibe ich in den naechsten Tagen einfach ins Blog.

Einen kurzen Overclocking-Test habe ich natuerlich gemacht. Das System laeuft auch mit 3.9 Gigaherz CPU-Takt (normal sind 3.2) voellig perfekt, und ohne das man die Spannungen anpassen muesste. Im Alltag reicht die normale Geschwindigkeit aber auch locker aus, der groesste Push kommt da eh von der SSD. Von daher arbeitet das System derzeit mit den normalen Einstellungen, und hat meine Erwartungen mehr als erfuellt!

Falls sich jetzt einer von euch inspiriert fuehlt, hier die genaue Teileliste:

1 x Chieftec Smart SH-01 schwarz
1 x ASUS Crosshair IV Formula
2 x G.Skill RipJaws DIMM Kit 4GB PC3-10667U CL7-7-7-21
1 x AMD Phenom II X6 1090T Black Edition, 6x 3.20GHz
1 x Scythe Grand Kama Cross
1 x Scythe Slip Stream PWM 120x120x25mm, 1300rpm, 125.4m³/h
1 x Scythe Kama PWM, 92x92x25mm, 0-2500rpm, 0-93m³/h
1 x Plextor PX-880SA
1 x Lite-On IHOS 104
1 x be quiet Straight Power 450W ATX 2.3
1 x be quiet Daemmungsmatten Universal Big Set schwarz
1 x OCZ Vertex 2 120 GB SSD
1 x Sharkoon HDD Vibe-Fixer
1 x MSI R5770 Hawk, Radeon HD 5770, 1024MB GDDR5
1 x Western Digital WD1002FAES 1 TB
1 x Windows 7 Home Premium 64 Bit

…plus halt die Vibrationsdaempfer fuer die Luefter, Schrauben und Kabel aus der Werkzeugkiste.